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Fremd sein im Regen

Autor: Freddy | Datum: 15 September 2012, 16:54 | Kommentare deaktiviert

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Mit meinem Kinyarwanda steht es noch nicht soo gut, aber es reicht, um sich mit den nur ruandisch-sprechenden Kongolesen zu unterhalten – wo ich wohne, was ich arbeite, wie es ihnen geht oder ob es im Camp eine Schule gibt usw… Die meisten sind sehr verwundert darüber, dass ich überhaupt Kinyarwanda spreche und lachen. Wäre mir nicht schon hundertmal übersetzt worden, dass diese Geste Freude ausdrückt, hätte ich jedesmal gedacht, dass sie mich auslachen. Naja, sicher bin ich mir da noch nicht.

Zudem werde ich schief angeguckt, wenn ich im Regen ohne Schirm herumlaufe, während ich wiederum die Kigemer schief angucke, wenn sie beim kleinsten Futzelnieselregen nicht vor die Tür gehen wollen – ich bin nunmal bergischen Dauerregen gewöhnt und habe von Kind auf den Satz „Du bist doch nicht aus Zucker“ eingetrichtert bekommen. Dafür erntet meine knallpinke Regenjacke, die ich letztens das erste Mal anhatte, viel Aufmerksamkeit und erheiterte Blicke.

Gegen das deprimierende kalte Wetter habe ich den Freddy-Regen-Gute-Laune-Song erfunden, den ich singe, während ich meinen Weg zwischen den Pfützen bahne: „It’s all God’s children singing glory glory, Hallelujah, it rains“ .
Trotzdem ist es schwer, fremd zu sein. Es ist schade, dass mein Lächeln meistens nicht erwidert wird, wenn ich mir meinen Weg über den Markt suche. In manchen Momenten, wenn es mit dem Kinyarwanda klappt oder ich Bekannten begegne, habe ich sogar das Gefühl, dass ich mich wohlfühle. Aber dieser Eindruck verschwindet meistens schnell wieder.

In der Hoffnung auf eine spannende Zeit irgendwann,

eure frierende Freddy

 

Kigali und das ruandische Essensverbot

Autor: Freddy | Datum: 15 September 2012, 16:53 | Kommentare deaktiviert

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Am Freitag sind Manu, Mona und ich zum zweiten Mal nach Kigali gefahren, um dort unser Visum zu beantragen. Die Busfahrt dauert von Kigeme aus insgesamt 3,5 bis 4 Stunden und ist ziemlich anstrengend. Der Ticketkauf läuft so ab: Entweder man geht zum Schalter und kauf sich eins oder man bleibt im Bus sitzen, mehrere Leute kommen hereingestürmt und fragen „My Sister, where are you going?“, denen gibt man dann Geld und nennt sein Fahrtziel. Dann laufen diese zum Schalter und kurz bevor, bzw. während der Bus quasi abfährt, werden die Tickets durch’s Fenster hereingereicht. Jeder bekommt sein rechtmäßiges Ticket und man musste sich nichteinmal die Mühe machen, um aufzustehen!

Im Bus erzählen Manu und ich (Mona fährt von Gitarama aus) uns die Neuesten Sachen, z.B. dass ich die Schüler in der Kigeme High School auf „Die Slytherins“ getauft habe, weil sie grüne Hosen und weiße Hemden tragen müssen. Den Rest der Busfahrt verbringe ich damit, darüber zu grübeln, welche Farbe Ravenclaw nochmal hatte… Schande über mein Haupt, ich hab’s vergessen!

In Kigali selbst benötigt es viel Zeit zwischen den verschiedenen bürokratischen Einrichtungen (Immigrations-Office, Deutsche Botschaft und Ministry) hin und her zu pendeln –vor allem wenn alle spätestens um 11 schließen und wir erst um 9 ankommen. Aber was soll’s, zum Glück gibt es ja die „Motos“, Motorräder mit denen man überall hinkommt. Es macht superviel Spaß mitzufahren, vor allem wenn man zuvor „Genda vuba!“ angeordert hat (Fahr schnell!) – dann kommt man ungefähr in der Hälfte der Zeit und mit doppelten Spaß ans Ziel. Eine andere Möglichkeit sind die Minibusse, die nur die Hälfte kosten, aber jedesmal proppenvoll sind. Manu kommt, wenn er darin aufrecht sitzt, mit dem Kopf an die Decke. ;-)

Natürlich schaffen wir es mit den primitivsten Mitteln an die gewünschten Papiere für das Visum zu kommen. In Ruanda ist Essen und Trinken in der Öffentlichkeit verpönt, weil man es nicht zur Schau stellen soll. Aber was bleibt einem anderes übrig, wenn man gesagt bekommt, dass es circa eine Stunde dauert bis die „Identity Cards“ und die anderen Papiere fertiggestellt sind und man draußen warten soll, obwohl es nirgendwo Sitzgelegenheiten gibt? Na klar –man setzt sich vor das Regierungsgebäude und isst erstmal eine Runde… Brötchen und Bananen und- „Guys, what are you doing there? Are you weltwärts-Volunteers?!“ –Jap, das sind wir und ENDLICH hilft uns mal jemand! Als der Beamte hört, dass wir hier eine Stunde warten sollten, schüttelt er verständnislos den Kopf, führt uns kurzerhand in das Büro der zuständigen Angestellten und füllt unsere Papiere und ID-Cards, die wir brauchen, innerhalb der nächsten 5 Minuten selbst aus. Damit werden wir zum Immigration-Office entlassen und kommen dank des netten Herrn ganz knapp vor Schließzeit an.
Gut, dass wir diese ruandische Essensregelung strikt missachtet haben, sonst wären wir wahrscheinlich nicht –wie hat es Manu ausgedrückt?- „das Gespött des ganzen Gebäudes“ gewesen und damit dem zuvorkommenden Beamten nicht aufgefallen! ;-)

 

 

Eine Beerdigung...

Autor: Freddy | Datum: 15 September 2012, 16:50 | Kommentare deaktiviert

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Letzten Dienstag durfte ich an einer Beerdigung teilnehmen. Diese verläuft eigentlich ähnlich wie in Deutschland, ein paar Unterschiede gibt es jedoch trotzdem.
Wir –ein Großteil des Krankenhauspersonals- versammelten uns am Friedhof, um auf das Bestattungsauto zu warten. Der Friedhof besteht aus vielen kleinen Holzkreuzen, die wild durcheinander an einem Grashang stehen. Ansonsten werden die Gräber von nichts anderem geschmückt.  
Schließlich kommt das Auto angefahren, in dem die Familie und der Sarg sind. Alle versammeln sich um ein offenes Grab, es werden ein paar Lieder gesungen und der Pfarrer hält eine Predigt.
Drumherum stehen neben den Gästen auch ganz viele Flüchtlingskinder vom Camp, die andächtig lauschen oder sogar mitsingen.
Die Familienangehörigen haben festliche Kleidung an: Die Männer schwarze Anzüge, die Frauen weiße Tuniken, die über eine Schulter gebunden sind (wie die im alten Rom). Sie alle tragen eine lila Schleife am Kragen oder im Haar.
Emotionale Ausbrüche sieht man kaum. Die Frauen weinen, wenn, in ein Taschentuch und wenn jemand in Tränen ausbricht, dreht er sich weg oder setzt sich auf den Boden, bis er sich wieder gefasst hat. Das Ganze ist trotzdem ziemlich dramatisch, gerade weil die Gefühle zurückgehalten werden.
Das verstorbene Baby ist das Kind eines Doktors vom Krankenhaus. Als er eine Rede halten will, kann selbst er die Fassung nicht wahren.
Nach der Zeremonie  werden wir alle zum Haus des Doktors eingeladen, um dort zusammen zu sitzen und eine Fanta zu trinken. Anschließend gehen wir nach Hause.

„Kein Vater sollte sein Kind zu Grabe tragen.“
                                                        -König Theoden, Herr der Ringe

 

Dies und das

Autor: Freddy | Datum: 08 September 2012, 23:10 | Kommentare deaktiviert

 Kigeme sprengt so einige afrikanische Klischees... zum Beispiel ist es hier ziemlich kalt. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir uns im Wechsel der Trocken- zur Regenzeit befinden, aber auch an den Bergen und Hügeln, durch die sich die Wolken über meinem Dorf abregnen. Eine halbe Busstunde weiter, in Butare, erzählt mir Manu von strahlendem Sonnenschein, währen ich in meiner Zwiebelschicht-Bekleidung herumlaufe.

Leider kommt auch das Klischee der Freundlichkeit und Offenheit nicht so sehr heraus... die meisten Menschen grüßen kaum oder lachen für einen kurzen Moment, um sich gleich wieder missmutig wegzudrehen. Zum Glück gibt es natürlich Ausnahmen: Ältere Frauen, die über das ganze Gesicht strahlen, Kinder, die winken und Hände schütteln wollen und natürlich die lieben Menschen, die sich der armen Weißen annehmen, manchmal bei mir vorbeischauen und mir bei allem unter die Arme greifen!

Total niedlich war zum Beispiel das Mädchen, das heute mit offenen Armen auf mich zugerannt kam und eine Umarmung haben wollte. Als seine Spielkameraden bemerkten, dass ich die Umarmung erwiederte, kamen sie auch schüchtern angelaufen. :)

Seit ich hier bin zweifel ich außerdem an meiner Kreativität! Nachdem mir meine Schere am Flughafen gewaltsam vom Flughafenpersonal entwendet wurde (okaay, ich gebe es zu, ich hab einfach vergessen, sie in den KOFFER zu packen), wusste ich nicht, wie ich die Bänder beim Freundschaftsbändchen knüpfen durchschneiden sollte. Kurzerhand biss Divine mein Band einfach durch -eigentlich logisch, oder?
Genauso wie die Situtation, als ich beim Saubermachen eines Kochtopfes mit dem Lappen nicht weiterkam. Ich ließ ihn stehen, weil ich die verbrannten Reste einfach nicht herausbekam. Als Olivia, die mich am Nachmittag besuchte, das sah, nahm sie eine Hand voll Dreck sowie den Topf und scheuerte ihn draußen "sauber" -warum bin ich nicht von allein darauf gekommen? Seitdem schrubbe ich mein Geschirr mit Schmutz und Seife ;-)

Was gibt es noch zu erzählen...? Ach ja, mein erster alleiniger Marktgang... war wirklich witzig. Ich hatte einen Riesenhunger und fuhr nach Nyamagabe, dem nächsten Ort, um dort einzukaufen. Schade nur, dass donnerstags kein Markttag ist! Also fährt die kleine Freddy mit dem kleinen Bus (in den bestimmt 25 Leute passen!) wieder zurück und geht zum Kigeme Sell, einem sehr kleinen Markt direkt im Ort.

Zunächst scheint alles prima. Die Frauen staunen darüber, dass ich sie verstehe und sogar auf Kinyarwanda feilschen kann und ich fühle mich relativ normal und unbeobachtet. Dann kommt der Wendepunkt: Eine Marktfrau will mir ihre Ananas nicht für einen geringeren Preis verkaufen (ich habe ein wenig heruntergehandelt, einfach nur, um klarzustellen, dass sich die die einzige Weiße auf dem Markt nicht über's Ohr hauen lässt) und schimpft, mir wird ein wenig Geld geklaut (wäre soweit ja nicht allzu schlimm gewesen, hätte es nicht jemand bemerkt, um mir dann auf Kinyarwanda lautstark zu erklären, was gerade passiert ist und der GESAMTE kleine Markt zuhört), die Menge wird irgendwie immer dichter, die Kinder schreien "Muzungu", ein Refugée bittet mich um Geld, 100 Kinder bitten mich um Geld und irgendwie gibt es hier nirgendwo Kartoffeln. Doch, da hinten! Ich kaufe schnell ein Kilo und mache mich schleunigst aus dem Staub... puuh. Auf dem Weg zurück gesteht mir ein kongolesischer Junge seine Liebe (nur um mich 3 Sätze später nach Geld zu fragen) und ich schicke ihn zurück.

Im Haus angekommen, lehne ich erschöpft an der Wand und weiß nicht so recht, wie ich das Jahr hier leben soll. Mein Blick fällt auf einen Zettel an der Wand, eine Nachricht von meiner Schwägerin: "Vergiss nicht Freddy, dass Jesus seine Hand allezeit über dir hält." Danke, Malle ;-)

Liebe Grüße,
eure Freddy =)

 

Das Camp de Refugées

Autor: Freddy | Datum: 07 September 2012, 21:32 | Kommentare deaktiviert

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Kigeme ist ein sehr schöner Ort. In der Mitte steht die Kirche, daneben ist ein kleiner Markt und das Zentrum, in dem man Dinge für den alltäglichen Gebrauch erwerben kann. Die Dörfer sind hier in der Gegend auf den Hügeln/Bergen (you remember, Land of a thousand Hills ;-) ) gebaut, während sich unten im Tal der landwirtschaftliche Teil abspielt (Kühe und Ziegen weiden; die meisten Äcker sind dort). Von der Kirche geht der Weg also auf der Hügelkuppe entlang, bis er zum Krankenhaus führt. Davor kann man zur Kigeme High School abbiegen. Hier in der Nähe steht auch das Haus, dessen einen Teil ich bewohne.
 In Kigeme ist es tagsüber niemals leise. Der Lärm kommt von tausenden von Stimmen aus einem Flüchtlingslager, das direkt am Dorf angrenzt. Hier finden Menschen, die aus dem Kongo ausgereist sind, Zuflucht [ich weiß nicht genau ob es Kongolesen oder ehemalige Ruander sind; mir wurde schwammig erklärt, dass es Ruander sind, die vor vielen Jahren ausgewandert sind. Sie sprechen jedenfalls Französisch und Kinyarwanda.] .
In meiner ersten Woche wurde ich von einem Bekannten aus dem Guesthouse ins Camp de Refugées mitgenommen. Der Anblick war zunächst erschreckend. Tausende kleine Hütten, gebaut aus Holzpfählen und weißen Unicef-Planen erstreckten sich über den gesamten Berg. Wenn es regnete (und wir haben leider Regenzeit), fließt das Wasser in Strömen den Hang hinab, sodass die Menschen dem Regen schutzlos ausgeliefert sind.
 Wir liefen einmal um das Camp herum und je höher und weiter wir kamen, desto mehr Kinder kamen auf uns zu. Jedes wollte meine Hand halten und sie riefen unentwegt „Umuzungu“ ( Weiße/Europäerin). Ich glaube, ich weiß jetzt ungefähr, wie Jesus sich gefühlt haben muss, damals. Insgesamt hatte ich am Ende eine Schar von etwa 30 Kindern um mich herum. Ich wäre gerne länger dageblieben.

 

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