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Mein Kaninchen(fell)

Autor: Freddy | Datum: 16 Dezember 2012, 06:22 | Kommentare deaktiviert

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Eben (Samstag, 15.12.) ist etwas Lustiges passiert. Der Hausboy (in Ruanda ist es üblich, jemanden bei sich wohnen zu lassen, der für‘s Kochen und Waschen zuständig ist) meiner Nachbarn, Sylve, rief mich zu sich und neugierig spähte ich über den Zaun… Was ich sah, erschreckte mich zuerst. Gerade hatte er dem Hasen in seiner Hand mit einem gezielten Schlag das Genick gebrochen und hängte ihn in diesen Moment an den Hinterläufen auf… Er zog ihm mit einem Messer die Haut ab (es war viel zu interessant, um sich abzuwenden, auch wenn ich es wollte!), dann legte er das Fell beiseite und schnitt das Fleisch auf. Jetzt weiß ich auch, warum es heißt „Das Fell über die Ohren ziehen“; man fängt am Hinterteil an und kann die Haut über die Ohren, wie ein T-shirt ausziehen…
„Was machst du mit dem Fell?!“ fragte ich neugierig und eine heißte Diskussion auf Kinyarwanda entbrannte. „Den Hühnern geben“ – „Das kannst du nicht machen! Damit kann man soviel anstellen!“ -  „Was denn?!“ – „Ich geb‘ dir Geld und du mir das Fell!“ – „Nein, das ist nicht gut, das schmeckt nicht!“ – „Ich will das doch nicht ESSEN!!“
Aber er verwehrte mir das Fell trotzdem, sodass ich kurzerhand um das Haus herum und in den Nachbarhof lief, um es mir selbst zu holen. Sylve war gerade dabei, die Eingeweide des Hasen herauszuholen. Mein medizinisches Interesse brannte mit mir durch und ich verlangte, das Herz zu sehen. Es schlug sogar noch, klasse! Nachdem ich es ausführlich mit Augen und Fingern untersucht hatte, durfte er es den Hühnern vorwerfen, die sich drum kloppten wie sonstwas. Anschließend zog ich mit meinem Fang von dannen, der jetzt in meinem Tiefkühlfach liegt (bin ich froh, dass ich eins hab!!).
Hat jemand einen Tipp zum Gerben? Ich hab übrigens nur Salz, Öl und vielleicht Essigsäure; mehr gibt’s nicht. Geht das trotzdem? Hoffe, ich hab niemanden zu sehr abgeschreckt!

Eure (experimentierfreudige) Freddy!

 

Mein Essen

Autor: Freddy | Datum: 16 Dezember 2012, 06:21 | Kommentare deaktiviert

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Worüber ich noch kein Wort geschrieben habe, was aber doch –wie die, die mich kennen, wohl wissen- einen essentiellen Teil meines Lebens füllt, ist: Das Essen!

Wirklich von deutschem Essen unterscheiden sich die Hauptnahrungsmittel nicht; aber einige Gerichte und Essensgewohnheiten sind doch schon etwas anders.
Morgens wird in den meisten Familien „Igikoma“ gegessen; das ist Porridge, der aus einem bestimmten Mehl („Sosoma“) zubereitet wird. Nach dem Kochen in Wasser ergibt sich ein dickflüssiger Brei, der mit Zucker vermischt getrunken wird. Ansonsten wird morgens Weißbrot, Omelette, etc. zu sich genommen. Mit Abstand am besten schmeckt mir Brot mit frischer Avokadocreme!
 Sowohl mittags als auch abends wird gekocht. Die einfachste Speise ist natürlich Bohnen mit Reis.
Abends wird es –zumindest in den reicheren Familien – etwas umfangreicher. Bevor ich darauf genauer eingehe, möchte ich erst einmal die Grundnahrungsmittel erläutern.
 In Ruanda wird alles gegessen, was das Land selbst produziert: Kochbananen, Kartoffeln, Reis, Mais, Gemüse, Maniok, Kuh-, Ziegen- und Hühnerfleisch. In den Restaurants werden zudem Nudeln angeboten. Typische Gerichte sind folgende (einiges wiederholt sich hier, weil nicht wie in Deutschland so ein großes Drumherum um die einzelnen Speisen gekocht wird):

In Öl gebratene Kartoffeln (also quasi Pommes)
Reis
Maismehlkuchen (herzhaft)
Casava-Brot (Ubugori) [aus Maniokwurzeln gewonnenes Mehl, das in Wasser gekocht wird 
                                          und als fester Brei zusammen mit Soße gegessen wird]
Maniok-Wurzeln [gekocht]
Kochbananen
Kochbananenbrei [wird in den Blättern eines Bananenbaums gekocht, bis er weich wird]

Zum Essen werden immer mindestens zwei dieser Gerichte serviert, z.B. Reis und Pommes oder Reis und Casava-Brot. Dazu gibt es dann eine Soße, meist aus Tomaten, Bohnen, Zwiebeln und Mini-Auberginen, die mit Erdnussmehl verdickt wird. Außerdem steht immer Imboga auf dem Tisch; eine Art Spinat/Grünkohlmix mit Bohnen sowie eine Fleischbeilage. Zum Nachtisch werden kleinen Bananen oder Maracujas serviert.
 Nach meiner Erfahrung wird meistens  -außer die Familie hat einen Esstisch und genug Stühle-, - Buffet gegessen, d.h. auf einem Tisch stehen dann ca. fünf bis sechs Töpfe, aus denen sich jeder nimmt und sich anschließend mit dem Teller auf’s Sofa setzt.
Als Gast darf ich mir zuerst nehmen, dann tut die/der Ältere dem Vater, der Mutter und kleinen Kindern auf, wonach der Jüngste in der Familie (außer 10 Jahre oder jünger) wiederum diesem älteren Geschwisterkind, das zuvor serviert hat, den Teller füllt und sich anschließend, zum Schluss,  selbst nimmt. Getrunken (Schwarztee mit Milch und 4,5 Löffeln Zucker) wird vorher oder hinterher.
 Bei meiner Freundin Chantal, die in ärmeren Verhältnissen lebt, essen wir alle zusammen von einem oder zwei Tellern, was irgendwie am schönsten ist, wie ich finde.
Neben den Speisen gibt es natürlich auch noch die einheimischen Früchte wie Bananen (große und kleine), Ananas, Mangos (kleine aus Ruanda, große aus Burundi importiert), Papayas, Maracujas, Orangen, Äpfel (aber teuer), Zitronen sowie einige Früchte, die ich vorher nicht kannte: Ibinyumoro, die „Baumtomate“, eine längliche 7cm große Frucht, die ausgelöffelt oder (nach meiner Lieblingsmethode) geköpft und ausgelutscht wird. Sie schmeckt säuerlich und irgendwie nach allen anderen Obstsorten gleichzeitig. Nach Himbeer-Mango-Yoghurt schmeckt eine kleine, verschrumpelte, gelbe Frucht, die innen blassrosa ist und deren Namen ich nicht weiß.
Egal wie bekannt die Früchte auch in Deutschland sind: Hier schmecken sie einfach –natürlich und unimportiert aus fernen Ländern – 100mal genialer als zuhause. Die Bananen sind ein Traum (klein wie sie sind, kann man auch mal eben 10 aufeinmal essen!) und als ich das erste Mal Ananas gegessen habe, dachte ich, mein Mund würde vor Säuerlichkeit, Süße und Frische gleich explodieren. Also: Nieder mit den „deutschen“ Ananas! ;-)
Ansonsten gibt es noch vier kleine, andere Genüsslichkeiten, die man hier für furchtbar wenig Geld in jedem Shop oder auf der Straße kaufen kann:
                                -Cake (so lautet auch der Kinyarwanda-Name; leicht zu merken ;) ): ein
                                           superleckerer kleiner Kuchen (ähnlich Sandkuchenteig) in Herzchen-, Brot-      
                                           oder Muffinform              
                                - Amandasi: kaum zu beschreiben, also unbeschreiblich lecker! Ein Teig aus Mehl,
                                                      Eiern und Zucker wird zu kleinen Ballen geformt und in purem Fett ge-
                                                      braten.
                                - Chapati: eine Art herzhafter Pfannkuchen – Mehl, Wasser, Eier, Öl, Zwiebeln und
                                                  etwas Salz werden zu einer plätzchenteigähnlichen Masse verknetet und
                                                  in der Pfanne mit viel Fett in Sekundenschnelle gebraten.
                                - Sambusa: eine frittierte Teigtasche, gefüllt mit Hackfleisch, meist scharf gewürzt=
                                                     der absolute Traum!    
   

 Nachdem ich all diese super leckeren Speisen und Gerichte probiert habe, bin ich –so toll sie auch sind – trotzdem ziemlich froh über den europäischen Sinn für kreatives Kochen! Dass man zum Beispiel allein aus Kartoffeln nicht nur für Pommes, sondern auch für Kartoffelbrei, Bratkartoffeln, Auflauf, Suppe, Reibekuchen, etc. zaubern kann, wäre hier undenkbar und mit dem einfachen Reste-Zusammenmixen (z.B. ein Reis-Käse-Zwiebel-Tomaten-Eier-Avokado-Mix oder eine Kartoffel-Paprika-Möhren-Pfanne) stoße ich auf vollkommene Verständnislosigkeit und Kopfschütteln. Naja, dafür hab ich dann mehr ;-).
Bleiben als letzte Rettung nur noch Pfannkuchen nach purer deutscher Art, mit denen man ihnen ausnahmsweise wirklich eine Freude macht!

 

Mein Chor

Autor: Freddy | Datum: 16 Dezember 2012, 06:20 | Kommentare deaktiviert

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Letztes Wochenende habe ich den Durchbruch geschafft: Ich habe öffentlich im Chor mitgesungen!

Ich weiß, für die meisten wird sich das ziemlich unspektakulär anhören: Im Chor singen ist doch kein Problem…
Für mich schon, jedenfalls solange es keine Texte gibt und die Lieder ausnahmslos alle auf Kinyarwanda gesungen werden...und es sich als schwieriges Unterfangen erweist, andauernd jemanden zu finden, der mir die Liedtexte überhaupt aufschreibt.
Deshalb habe ich mich 2 Monate lang erfolgreich davor gedrückt, öffentlich mitzusingen (auf Konzerten oder im Gottesdienst). Letzten Samstag jedoch –ich dachte, es wäre nur eine harmlose Probe – gab es im Anschluss an die Choir Repetition –reingelegt, Freddy!- einen speziellen Jugendgottesdienst. Ahnungslos saß ich in meiner Bankreihe, als plötzlich ganz viele Leute aufstanden –hm, komisch, die sind zufällig alle aus meinem Chor –und nach vorne gingen. Ich konnte ja schlecht sitzen bleiben, also ging ich mit…
Danach hatte ich keine Ausrede mehr und habe auch im Gottesdienst des folgenden Tages mitgesungen; mehr Lippen bewegend als richtig singend.
 Aber so peinlich die Momente auf der „Kirchenbühne“ auch sind –denn dreimal dürft ihr raten, auf wen alle Augen gerichtet sind: richtig, auf den weißen Fleck, der da vorne so verwirrt rumhampelt – der Lohn ist riesig! Auf einmal kommen die Chor-Jugendlichen viel mehr auf mich zu und scheinen sich total zu freuen, dass ich mitsinge. Der Chorpresident (so heißt das hier) hat mir sogar freudestrahlend für’s Mitsingen gedankt … insgesamt werde ich jetzt viel deutlicher in die Gemeinschaft aufgenommen, was mir das schöne Gefühl gibt, wirklich ein Teil der Kirchengemeinde zu sein!

Als ich das letzte Mal zum öffentlichen Fellowship in die Kirche gegangen bin –entgegen meiner Erwartungshaltung „wird wie immer langweilig und vor allem verstehe ich kein Wort!“ – haben wir erstens ein Lied gesungen, das ich auf Englisch mitsingen konnte (Our God is an awesome God) und zweitens habe ich die Kernaussage der Kinyarwanda-Predigt verstanden. Tolles Gefühl! ;-)
(ich weiß, nach 3 Monaten sollte das eigentlich schon keine Überraschung mehr sein aber ich bin einfach zu faul zum Lernen…und zu meiner Verteidigung ist Kinyarwanda schwer!)
 Ihr seht also…es wird, es wird!

Und die Moral von der Geschicht: Mitmachen lohnt sich immer; nicht nur hier in Ruanda! ;-)

 

Meine Maternité

Autor: Freddy | Datum: 16 Dezember 2012, 06:19 | Kommentare deaktiviert

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Seit 2 Wochen arbeite ich nicht mehr auf der Internen Medizin, sondern bin zur Maternité gewechselt, der Geburten- und Gynäkologiestation.
Hier werden zwar auch 2 Stunden am Tag Vitalzeichen gemessen (Temperatur, Blutdruck und Puls: Die laangweiligste Arbeit überhaupt), dafür fallen noch viel mehr andere Aufgaben an als auf der Internen.
 Manchmal ist es ermüdend und frustrierend, wenn viel Arbeit anfällt (wie z.B. Papierkrams) und ich trotzdem nur doof daneben stehe, weil mir von manchen Schwestern einfach nicht zugetraut wird, dass ich Dieses oder Jenes schaffen könnte, wenn sie es mir nur erklären würden!
Andererseits –wenn ich mit den richtigen Schwestern und Pflegern zusammen arbeite- werden mir viele Arbeiten zugeteilt, die hier teilweise nicht einmal die Schüler im ersten Ausbildungsjahr machen dürfen, und die mir sehr viel Spaß bereiten: Alle Dinge, die ich schon auf der Inneren gelernt habe (also Blut abnehmen, Katheter und Venenzugänge legen, Injektionen verabreichen) sowie OP-Wunden verbinden, Fäden ziehen, Vaginal-Untersuchungen machen (und ungeborene Babys streicheln :D ) und gestern habe ich sogar meine erste (10 cm lange) Wunde vernäht! (Nicht missverstehen; die Wunde der Patientin natürlich!)
Ansonsten müssen Patienten zu Ultraschalluntersuchungen begleitet werden oder ich assistiere bei einem Kaiserschnitt oder einer Geburt. Besonders schön ist es, ein 2-Minuten-junges Neugeborenes zu versorgen, ihm Medikamente zu verabreichen, es zu wiegen und anzukleiden. Oder den jungen Müttern zuzulächeln und ihnen Mut zu machen.
Zum Mittagessen gehe ich nur noch selten nach Hause, oft sitzen die Schwestern und ich im Schwesternzimmer und teilen unser Essen, sodass jeder von jedem etwas hat. Dann wird gequatscht und gelacht und sich auf Kinyarwanda, Französisch und Englisch unterhalten; wobei immer wieder mein Kinyarwanda gelobt wird…hehe. Besonders lustig ist die Art eines sehr aufbrausenden, kongolesischen Arztes hier. Nachdem ich entdeckt habe, dass er mit seiner einschüchternden Weise immer nur Spaß macht, springe ich ebenso freundschaftlich und frech mit ihm um wie er mit mir –womit er absolut kein Problem hat.
Seit einigen Tagen ist es etwas frustrierender als zuvor, weil ich mit einer Schwester zusammenarbeite, die mich die einfachsten Dinge nicht machen lässt. So verbringe ich die 8 bis 9 Stunden im Krankenhaus mit Nichts-Tun und muss mich oft ziemlich zusammenreißen, um keinen Wutausbrauch aufgrund des Dauer-Unterschätzt-Werdens zu bekommen.

 

Mein Taizé

Autor: Freddy | Datum: 16 Dezember 2012, 06:18 | Kommentare deaktiviert

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Im November war ich für ein Wochenende in Kigali, bei einem Internationalen Taizé-Treffen. Zur Information: Taizé ist ein kleiner Ort in Frankreich, an dem Mönche aus aller Welt eine Gemeinschaft gebildet haben und rund um’s Jahr weltweit Jugendliche einladen, eine Woche mit ihnen zu verbringen; zu Singen, Beten, Leben und sich selbst mit Fragen über das eigene Leben zu konfrontieren. Die Taizé-Bruderschaft hat eigene Gesänge entwickelt, die ihren ganz eigenen Stil aufweisen und hinter denen die Idee steckt, durch ein ständiges Wiederholen eines Liedes in eine Art Meditationszustand zu gelangen.

Allein die Ankunft in Kigali war sehr lustig. Da wir alle ziemlich schwer beladen waren, nahmen wir uns –d.h. einige Freiwillige anderer Organisationen und ich – einen eigenen Taxibus. Irgendwie kam Klassenfahrts-Feeling auf und wir fuhren quatschend und lachend zum Anmelde-Treffpunkt.
Immer zu zweit wurden wir einer Gemeinde zugeteilt, zu der wir in diesen Tagen gehörten und in der wir den Morgen jedes Taizé-Tages verbringen würden. Ich kam mit Mona in eine. Mitglieder in dieser Gemeinde waren auch unsere Gastfamilien, bei denen wir wohnen würden.

Meine Host-Family war eine superliebe Familie –in der Zeit meiner Anwesenheit waren sie nur zu viert: Die Mutter, der Vater (der mir permanent begeistert von seinem Aufenthalt in München erzählte^^), die älteste Tochter Vally (die in Kenia studiert, gerade aber Semesterferien hatte) sowie mein Gastbruder, der Neffe und Cousin der Familie, Noah. Sie alle nahmen mich freundlich in ihrem großen Haus auf –besonders der kleine Hundewelpe Chewy.

Ich kann euch schlecht das ganze Wochenende in allen Details erklären, deshalb erzähle ich euch von einem, stellvertretenden Tag:
 Der Samstagmorgen geht mit einem internationalen Frühstück los: Bananenkuchen aus Ruanda, Nestle-Kaffe aus Brasilien, Milchpulver aus Holland und Kellogg’s-Cornflakes aus Saudi-Arabien! Danach fahren Noah und ich in die Gemeinde, zu einer kleinen Morgenandacht. Eigentlich soll uns kurz darauf ein Bus abholen und zum Taizé-Gelände (Expo genannt) bringen. Aber da er nicht kommt, wie aber Hunger haben, nehmen Mona und ich kurzerhand ein Moto und starten selbst los. Dass auf der Fahrt Stau ist, ist auch kein Problem. Während sich unsere tapferen Moto-Fahrer auf einer Straße, die der Dirtbike-Strecke meines Bruders Konkurrenz gemacht hätte, durch die Autos und LKW’s schlängeln, spielen wir munter Schnick-Schnack-Schnuck. Mona schlägt mich viel zu oft, aber schon sind wir angekommen…

Auf der Expo herrscht internationales Multi-Kulti vom Feinsten und genau nach meinem Geschmack! Während ich gestern beim Mittagessen eine Gruppe Kongolesen getroffen haben (die mir…auf Italienisch ihre Liebe gestanden haben…?! „Ti amo“ :D ), stelle ich heute fest, dass ich meinen Teller vergessen habe und überhaupt nichts essen kann. Ich stehe überlegend vor der Essensausgabe, als mich eine Frau anspricht
„Hey you, you don’t wanna eat?“
– „Yes..no..äh, I just forgot my plate-„
 „Ah, no problem, my brother will geht you one!“
Und schwupps, drückt mir ihr Bruder, der hinter uns stand, seinen Teller in die Hand, dreht sich um und geht, um sich selbst einen neuen zu holen. So eine selbstverständliche Hilfsbereitschaft erlebt man selten!
Während Obed –so heißt er- eine dritten Teller besorgt, unterhalte ich mich mit seiner Schwester. Sie beide kommen aus Kenia, Nairobi, was man auch unschwer an Obeds Kleidung erkennen kann: aus Nationalstolz und um auf sein Land zu verweisen, trägt er Massai- Klamotten. Beim Essen frage ich die Beiden über ihre Stammessprache Kikuyu aus. Außerdem diskutieren wir über Themen wie Genozid und Kolonialisierung –kommen aber schnell einig zu dem Punkt, dass das alles für die Katz war!
Am Schluss frage ich Obed, ob ich nicht ein Foto mit ihm machen kann, damit ich erzählen kann, ich hätte einen Massai geheiratet…prompt kommt Rudolf, ein Freund aus Deutschland, mit seiner Kamera an uns vorbei und hat sogar einen Freund von sich mit, der zufällig Pastor ist. Aus dem „einen Foto“ wird schnell eine ganze Fotosession mit Ring, Brautpaar (er in Massaiklamotten, sie in englischem Oxford-Pullover), Sister-in-Law, Trauzeuge und natürlich Pastor, auf die noch etliche witzige auf Video festgehaltene Interviews über die Flitterwochen, die Gefühle des Trauzeugens und und und…folgen. :D Insgesamt eine super ernste Hochzeit!

Irgendwann ist auch Schluss mit den Späßen, den wir müssen los zur Song-Practice der Taizé-Lieder, mit anschließendem Mittagsgebet.
Dieses findet in zwei riesigen, 8.000-köpfigen Zelten statt. Auf einer etwas erhöhten Bühne knien die Mönche, die das Gebet einleiten; die Gesänge werden von einem Chor unterstützt. Fast alle Lieder werden auf Kinyarwanda gesungen; „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht“ hat auf Kinyarwanda eine echt schöne Bedeutung, wie ich finde: „Gott ist meine Stärke und mein Lied“. („Imana n’imbaraga zanjye, n’indirimbo yanjye“)

Nach der brühenden Mittagshitze ist der plötzliche Regenerguss die pure Erleichterung –natürlich nur für die europäische Seite. Auch in dieser Hitze bleibt der afrikanische Teil (das klingt zwar sehr verallgemeinernd, aber ich hab WIRKLICH keinen im Regen gesehen!) lieber im Trockenen, während unsere deutsche Truppe, mit der ich gerade unterwegs bin, provokant vor aller Augen durch Pfützen und Regen hüpft!

Zwischen Mittag und Abend werden verschiedene Workshops angeboten.  Ich entscheide mich für einen „Kultur-Workshop“, bei dem im Hauptzelt Gruppen verschiedener Länder Tanz, Gesang und Getrommel aufführen. Besonders mitreißend sind die burundischen Trommler und am schönsten ist der aufgeführte ruandische Volkstanz, bei dem am Ende sogar ausgelassen eine Nonne auf die Bühne stürmt und gewagt die Hüften kreisen lässt! Einfach super. Interessant ist die Vorführung der Madagassen (den Einheimischen in Madagaskar), die verschiedene Tänze und Kleidung aufführen.

Nach einiger Zeit wende ich mich ab und schlender ziellos durch die Halle –als ein Tanzzirkel meine Aufmerksamkeit erregt. Einige Afrikaner aus verschiedenen Ländern stehen zusammen, einer macht eine Bewegung vor, die anderen machen sie nach. Ich werde begeistert in den Kreis aufgenommen und mache mit –bis sich dieser auf einmal vergrößert und verkündet wird „So, jetzt tanzen wir  ruandischen Volkstanz!“
Ich laufe schnell Mona holen und zusammen versuchen wir irgendwie die Bewegungen der Ruander nachzuahmen. Währenddessen hat sich ein großes Publikum um den riesigen Tanzzirkel gebildet und eine Frau zieht Mona und mich in die Mitte –na toll -.- ! Wir geben unser Bestes; aber irgendwann beschließen wir, dass uns der gerade erst gezeigte Tanz doch nicht so gut steht und fangen an, nach klassisch deutscher Art die Hüften zu schwingen –was Jubelrufe und Begeisterungspfiffe erntet! :D

Vor dem Abendessen treffe ich die Madagassen-Gruppe wieder und beschließe nach einem kurzen Gespräch und einem Foto (wurde nicht von mir verlangt!), dass ich soeben die, meiner Meinung nach, hübscheste Volksgruppe der Erde entdeckt habe… Mit der dunklen afrikanischen Haut, den unverkennbaren asiatischen Gesichtszügen, dem sympathischen Afro-Look (zumindest bei einem von ihnen, Herena) und den lockeren Badeshorts (jaaa, das gehört auch zur genetischen Abstammung!) sind sie einfach –ob Frauen oder Männer- wunderschön!!

Zusammen mit Rudolf, Mona und zwei anderen Deutschen esse ich gemeinsam zu Abend (während es mittags Bohnen mit Reis gab gibt es jetzt… Reis mit Bohnen ;) ); danach gucken wir den Tanzkreisen um uns herum zu. „Wollen wir nicht mitmachen?“, frage ich und ohne zu wissen, wie uns geschieht, sind wir plötzlich mittendrin im Geschehen und springen und singen uns die Seele vom Leibe! Eine super Einleitung zum Abendgebet, das –durch die Dunkelheit unterstützt- total schön und andächtig ist. Im Zelt wird es ruhiger und im Anschluss an die normalen Taizé-Gesänge, werden atemberaubende, wunderschöne afrikanische Lieder (der ruandischen katholischen Kirche) gesungen. Ich kann die Atmosphäre nicht widergeben, aber das sind mit Abstand eine der schönsten Gesänge, die ich je gehört habe.

Auf dem Parkplatz mit den Bussen, die uns zu unseren Gemeinden zurückbringen sollen, wird in etlichen Kreisen weiter getanzt, geklatscht und gesungen. „Die werden auch NIE müder, oder?“, fragt Mona rhetorisch. Durch eine gestrige Bekanntschaft, die ich gemacht habe, fahre ich heute nicht direkt nach Hause, sondern schließe mich einer kleinen Gruppe Kenianer an, mit denen ich in Kigali Downtown tanzen gehe.

Am Ende des Tages (und der halben Nacht) falle ich todmüde ins Bett. Was für einen Abenteuer. Insgesamt habe ich an einem Wochenende Bekanntschaften mit Kongolesen, noch mehr Ruandern, Kenianern, Deutschen, Tanzaniern, Madagassen, Tschechen, Franzosen, Polen,… gemacht und bin auf unglaublich offene Menschen gestoßen. Gerne hätte das Wochenende länger dauern können, das bei mir bestimmt nicht so schnell in Vergessenheit gerät!

 

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